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Dankwart Paul Zeller

Am 14.06.2006 besuchte der Zeitzeuge Paul Dankwart Zeller das Georgii-Gymnasium. 

Da man von Menschen, die die Zeit miterlebt haben, am besten lernt, haben wir uns entschlossen, einen Bericht über das Treffen der 10a und 10b mit ihm zu schreiben. 

Er erlebte den Nationalsozialismus aus Sicht eines „arischen“ Deutschen. Er besuchte während seiner Jugend das Keppler-Gymnasium in Bad Cannstatt. Sein Vater war Pfarrer. Diesen Beruf übte auch Dankwart Zeller nach seiner Rückkehr aus dem Krieg aus. 

Er begann seinen Vortrag mit der Frage, ob der Nationalsozialismus ein „Unfall der Geschichte“ war. Der Nationalsozialismus fußte jedoch auf dem Humus, den die 2000-jährige Verfolgung und Diskriminierung von Juden hinterlassen hatten, war folglich also kein Unfall der Geschichte. Als Beleg dafür führte er verschiedene antisemitische Quellen und Texte an: u.a.  ein Zitat aus Hitlers „Mein Kampf“ und einen Textabschnitt aus einem Werk von Martin Luther, dem großen Reformator. Dieser bezeichnete die Juden als Plage und verfluchtes Volk. Man sollte ihre Gebetshäuser vernichten und ihre religiösen Schriften verbrennen. Solch ein antisemitisches Denken prägte die Welt bis ins zwanzigste Jahrhundert. Des Weiteren trugen die Schmach des verlorenen Ersten Weltkrieges, der durch die Siegermächte auferlegte Versailler Vertrag und die sozialen Probleme, ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise, zur Verbreitung des Nationalsozialismus bei.

Die Merkmale des Nationalsozialismus waren unter anderem Rassenideologie, Führertum und Vaterlandsliebe. Mit dem Nationalsozialismus verbindet man heute vor allem das Hakenkreuz, welches ursprünglich als Symbol für Sonne und Erneuerung stand. Hitler pervertierte es jedoch zu einem Symbol für Zucht und Ordnung. Mit Parolen wie „Am deutschen Wesen muss die Welt genesen“ fand er jedoch bei vielen Zustimmungen. Von Hitlers Rassenideologie war in der Bevölkerung wenig bekannt, obwohl viele „Mein Kampf“ besaßen. 
Den zweiten Teil seines Vortrags widmete er seinem Leben. Er las uns aus seinem Buch (Galerie Kneipe) vor, in dem er entscheidende Augenblicke seines Lebens festgehalten hat. Als erstes hörten wir von der Reichspogromnacht, welche er in Stuttgart miterlebte. Johannes, so heißt sein erzähltes Ich, konnte es nicht fassen, wie Hunderte von Leuten beim Brand der Synagoge zuguckten, aber nichts unternahmen. Er war zu der Zeit gerade einmal 14 (1938) Selbst die Feuerwehr verhinderte nur, dass das Feuer auf die umliegenden Gebäude übersprang, löschte jedoch nicht die Synagoge. In der Folgezeit gingen Gerüchte in der Bevölkerung um, dass Juden von den Nazis in Lager abtransportiert wurden. Es gab jedoch keine Gewissheit.

Da Herr Zeller überzeugter Patriot war, meldete er sich zur Musterung an, sobald er das Mindestalter erreicht hatte. Er wog jedoch zu wenig, schaffte es mit ein paar Tricks jedoch als „KV“ eingestuft zu werden, was bedeutete dass er kriegsverwendungsfähig war. Zur damaligen Zeit der Traum eines jeden Jungen. Als Soldat diente er ab 1942 an verschiedenen Fronten. Im Russlandfeldzug bekam er zu spüren, welches Leid ein Krieg verursacht. Er entdeckte, nach der Schneeschmelze in Russland, einen Acker voller gefallener russischer Soldaten, die der Schnee den Winter über konserviert hatte. Herr Zeller geriet in russische Gefangenschaft, in der ihm vor allem der ewige Hunger zu schaffen machte. Für einen Kriegsgefangenen ging es ihm ziemlich gut, denn er arbeitete in einer Ziegelei in der ihm der russische Winter nicht zu arg zusetzte. Das prägenste Ereignis war jedoch, dass er von einer russischen Witwe etwas zu Essen bekam, obwohl diese ihren Mann und ihren Sohn in zwei Kriegen gegen Deutschland verloren hatte. Herr Zeller erinnerte sich auch heute noch daran, wie diese Frau ihre vier Kartoffeln mit ihm teilte. Nach vier Jahren (1945-1949) Zwangsarbeit durfte er in seine Heimat zurück. 

Er bemängelte den Umgang der Siegermächte mit den Nazis. Seiner Meinung nach wurde nicht genügend gegen Nazis und ihre Verbrechen ermittelt und somit nur ein Teil für ihre Handlungen bestrafft. Als Beispiel dafür führte er das Nürnberger-Kriegstribunal an, welches zwar hochrangige Nazis verurteilt hatte, sie aber vorzeitig entließ.

Des Weiteren warnte er, dass Faschismus in der heutigen Zeit immer noch existent ist. Demokratie und die Grundrechte sollten in der Schule geübt und Aufklärung betrieben werden. SCHAU NICHT WEG, ZEIG ZIVILCOURAGE. Fremdenfeindlichkeit kann nur existieren, wenn die Massen wegschauen.

Philipp Strunk und Visar Smayli

Letzte Änderung: 06.09.2018