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Mieciu Langer

Zeitzeugenbesuch am 28. Januar 2008

Zeitzeugenbesuch 2008

Es läutet zum zweiten Mal. Schulleiter Joachim Scheffzek stellt sich an das Rednerpult und beginnt zu sprechen. Am Tisch neben ihm ist ein älterer, gutmütig aussehender Herr. Um dessen Bericht zu hören, hat sich die Klassenstufe 10 am heutigen Morgen in der Aula des Georgii-Gymnasiums versammelt. Nach Herrn Scheffzeks Einleitung beginnt Mieciu Langer, ein 80-jähriger Pole aus Krakau, zu sprechen. 

Mieciu Langer ist Opfer des Nationalsozialismus, ein polnischer Jude, der heute über sein Leben, und vor allem über die Zeit während des Dritten Reiches erzählen wird, wie er es schon am Vorabend im alten Rathaus vor Vertretern von Stadt und Kirche getan hatte.
Er beginnt, über seine frühe Jugendzeit zu erzählen, wie er als 12-Jähriger den Überfall und die Besetzung Polens durch Deutschland erlebt hat. Herr Langer erzählt von der grausamen Unterdrückung, Folter und dem Massenmord an Juden und anderen Minderheiten durch das NS-Regime. Er und seine gesamte Familie waren von den Nationalsozialisten abtransportiert worden. Insgesamt war er in 5 Konzentrationslagern und Ghettos, und bekam so die Unterdrückung am eigenen Leibe mit. Über den Verbleib seiner Familie weiß er – und das auch erst seit einigen Jahren – lediglich, dass sein Vater in einem Gräberfeld bei Buchenwald liegt.
Besonders stark betroffen haben uns sein Bericht über die Arbeitsbedingungen, und dass er am Ende seiner Gefangenschaft nur noch 38 Kilo gewogen hat. In seinem Bericht schildert er auch die Ermordung einiger Freunde durch Lageraufseher vor seinen Augen. Besonders beeindruckt waren wir von der Tatsache, wie offen er von seinen grausamen Erlebnissen berichten konnte.

Mieciu Langer beendet seinen Bericht und nimmt einen Schluck Wasser. Die Schüler applaudieren und applaudieren lange. Die Erlebnisse, von denen er in den letzten 60 Minuten berichtet hat, haben alle sehr getroffen und tief beeindruckt. Er gibt den Schülern noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen, und beantwortet diese sehr ausführlich und genau.

Der 27.1. ist seit einigen Jahren offiziell „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, und mit ihm verbunden berichteten schon einige Zeitzeugen in der Aula über ihre Erlebnisse. Dieser Tag des Gedenkens ist ein sehr wichtiger Tag, da wir alle dazu verpflichtet sind, uns an die Opfer des NS-Regimes zu erinnern, und somit zu verhindern, dass sich etwas so Furchtbares wiederholen kann.

Florian Buck und Marius Böhmerle

Letzte Änderung: 03.04.2017