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Kitwe Mulunga

„Do you have a best friend?“

Kitwe Mulunda Guy erzählt Schülern und Schülerinnen aus Jahrgangsstufe 12 und der Klasse 9 von seiner Arbeit als „Streiter für die Menschenrechte“.

Am Sonntag, den 4. Oktober erhielt Kitwe Mulunda Guy den Theodor-Häcker-Preis für politischen Mut und Aufrichtigkeit von der Stadt Esslingen. Drei Tage später brachte der Preisträger die Vision seines Kampfs und seiner Courage in die Aula des Georgii-Gymnasiums. 

„Do you have a best friend?“ – Haben Sie einen besten Freund? Mit dieser Frage eröffnete Kitwe Mulunda Guy seinen Vortrag und rüttelte die versammelten Schüler auf. Wer mit einem zwei Stunden langen Vortrag voll von trockenen Fakten gerechnet hatte, wurde sicherlich enttäuscht. Denn Kitwe Mulunda Guy erzählte nicht nur von der Menschenrechtssituation im „vergessenen Kontinent“, er brachte Afrika in die Aula des Georgii-Gymnasium. Mit Bildern und einer sehr persönlichen, lockeren Vortragsweise entführte er Schüler/innen und Lehrer/innen in eine uns völlig fremde Welt.

Kitwe Mulunda Guy hat die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, gute Freunde zu haben. 2008 war er selbst wegen eines Radiointerviews über die Lage der Menschenrechte im Kongo festgenommen worden. Ohne seine guten Verbindungen, seine Publizität als Mitglied der IRCT (International Rehabilitation Council for Torture Victims), säße er wohl noch heute mit den anderen willkürlich gefangengenommenen Männern, Frauen und Kindern im Gefängnis. Überhaupt sieht Kitwe Mulunda Guy seine Familie und seine Freunde, aber auch den Glauben an sich selbst, als den wohl wichtigsten Bestandteil seines Lebens und seiner Arbeit. Nach seiner Geschichte über die eigene Gefangennahme und der Schilderung der unvorstellbaren Verhältnisse im Gefängnis meinte er: „Jetzt verstehen Sie vielleicht, warum man beste Freunde braucht – Alleine kann man gar nichts!“ 

Aus Angst vor Verfolgung konnte der Theodor-Häcker-Preisträger 2009 in einem Interview mit dem deutschen Radiosender „Deutsche Welle“ keine präzisen Angaben über die Menschenrechtssituation in seiner Heimat machen; am Georgii-Gymnasium berichtete er uns von der Menschenrechtslage der demokratischen Republik Kongo. 

Im Kongo, so informierte Kitwe Mulunda Guy, leben mehr als 200 ethnische Gruppen mit über 180 verschiedenen Sprachen zusammen. Davon nur 40% in Städten. All dies stelle die Grundlage der Menschenrechtssituation in der Demokratischen Republik Kongo dar. Obwohl 2007 erstmals ein Präsident gewählt worden ist, der jetzt die Sicherheit wiederherstellen will, gibt es viele Probleme, vor allem im Bereich der Menschenrechte. 

Trotz der demokratischen Wahl des Präsidenten Josef Kabila gibt es bis heute Übergriffe auf Journalisten und Mediziner, die sich für Menschenrechte einsetzen. Dass dies gegen die Pressefreiheit verstößt, ist leicht erkennbar. Nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte soll jeder Mensch in Artikel 18 vor solcher staatlicher Bevormundung geschützt werden: 
"Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit."
Menschenrechtsartikel 5 verbietet Folter, sowie „grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe“. Kitwe Mulunda Guy kennt die Situation der Gefängnisse im Kongo persönlich, hat sie, sozusagen, „live miterlebt“ und kann bezeugen, dass sie diesen Artikel immens verachten. 

Nach Artikel 25 hat jeder Mensch das Recht auf einen Lebensstandard, der ihm und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet."
Im Kongo wird die Bildung der Kinder allein durch die Eltern finanziert. Lediglich 52% der Kinder gehen zur Schule, die Analphabetenquote liegt zwischen 30 und 40 %. 
Krankheiten wie Malaria, Aids, Lepra und sogar die Pest machen den Menschen im Kongo das Leben schwer. Diese Krankheiten wären wohl in den Griff zu bekommen, könnten mehr als 26% auf eine gute medizinische Grundversorgungsbasis zurückgreifen. So sind zwischen 30 und 50 % unterernährt, es gibt eine dreiviertel Million Halbwaisen. 

In Kitwe Mulunda Guys Hilfsorganisation „Save Kongo“ werden jährlich um die 1800 Frauen aus dem Kongo wegen sexuellen Missbrauchs behandelt. Während die missbrauchten Frauen als schmutzig gelten und von ihren Familien verstoßen werden, geht es den Milizen, dem Geheimdienst oder den Armeegruppen, die ganze Kollektivvergewaltigungen veranstalten, bestens. Für die Täter gibt es keinerlei Konsequenzen. 

Dies sind nur drei der vielen Vergehen gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Fakt ist, dass die Menschen im Kongo unter unmenschlichen Bedingungen leben und wir alle Menschen wie Kitwe Mulunda Guy dankbar für ihren Einsatz für die Menschenrechte sein müssen.
Die Stadt Esslingen tat dies mit der Verleihung des Theodor-Häcker-Preises 2009, das Georgii-Gymnasium offenbarte dem Menschenrechtsstreiter seine Bewunderung durch eine spontane Spende über mehr als 1500 Euro von Eltern, Schülern und Lehrern, sowie Beifall am Ende der Veranstaltung. Mit diesem Applaus bestätigten alle Anwesenden das, was Schulleiter J. Scheffzek schon in seiner Begrüßungsrede gesagt hatte: „Je vous admire pour votre travail, pour votre courage, pour l’espoir que vous vivez.“ – Ich bewundere Sie für Ihre Arbeit, für Ihren Mut, für die Hoffnung, die Sie leben.
http://savecongo.populus.org/


Julia Schr. Jgst. 12

Letzte Änderung: 06.09.2018
Kitwe Mulunda am GG