Georgii-Gymnasium Esslingen am NeckarGeorgii-Gymnasium Esslingen am Neckar

Politik

MdB Grübel zu Gast am GG

Für die Kursstufe II des Georgii-Gymnasiums gab es am 14.5.2015 in der Aula ein Wiedersehen - Herr Grübel, den wir zuvor in Berlin kennengelernt hatten, besuchte uns knapp ein Jahr später wieder. Damals lernten wir ihn im Bundestag in seiner Position als Abgeordneter des Wahlkreises Esslingen kennen und unterhielten uns unter anderem über den Fall Edward Snowden.
Seit 2003 ist Markus Grübel parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen, und so konnte er uns passend zu unserem Unterrichtsthema "Frieden und Sicherheit" einige Fragen beantworten.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Herrn Scheffzek, der einleitende Worte des Dankes an Herrn Grübel richtete, sowie die Bedeutung des Besuchs für unsere politische Bildung hervorhob.
Markus Grübel begann mit einem sehr umfangreichen und interessanten Überblick über die momentane weltpolitsche Situation, weswegen er damit startete zu erklären, inwieweit sich die Begriffe Frieden und Krieg über die Jahre gewandelt haben. Er gab zu bedenken, dass im 20. Jahrhundert Angst vor allem vor Bündnissen und sich bildenden Großmächten entstand. Heutzutage seien instabile Staaten viel gefährlicher, siehe Libyen, Irak, Syrien und nicht zuletzt der daraus resultierende sogenannte „Islamischen Staat“.
Ein weiterer Konflikt, den er ansprach, war der in der Ukraine und auf der Krim, in dessen Zusammenhang auch einige "hoch" politische Wörter wie frozen conflict oder hybride Kriegsführung fielen. Gerade im Falle der Ukraine hob Herr Grübel die Bedeutung der NATO und letztlich Deutschlands hervor, das im neuen Readiness Action Plan die Funktion des Federführers und der schnellen Speerspitze einnimmt. Damit fällt Deutschland die große Verantwortung zu, im Falle einer Eskalation sofort einzuschreiten. Ebenso sprach er vom Doppelplan, den die deutsche Regierung verfolge, indem sie einerseits mit Putin in Kontakt steht und andererseits für Estland, Lettland und Litauen Stärke zeigt, die befürchten, ein ähnliches Schicksal wie die Ukraine zu erleiden.
Herr Grübel sprach weiterhin von dem anderen großen Aufgabenfeld des Ministeriums für Verteidigung: die deutsche Bundeswehr. Hier sind zwei Punkte sehr wichtig, die mit der Agenda Attraktivität (neue Leute anwerben) und der Agenda Rüstung zu umschreiben sind.
Sein letzter Punkt war das kontrovers diskutierte Freihandelsabkommen mit den USA, welches er positiv bewertet - die starke Kritik der Öffentlichkeit dagegen findet er teilweise etwas übertrieben oder vorschnell formuliert. Denn wir in Deutschland exportierten schon sehr viel nach Amerika, also müssten wir nicht den deutschen Markt vor amerikanischen Produkten schützen, sondern theoretisch wäre die Situation eher andersherum. Deutschland könne demnach vor allem vom diesem Abkommen profitieren, wie er zu bedenken gibt.
Alles in allem schaffte es Markus Grübel, einen sehr interessanten Einblick in die aktuellen politischen Themen zu geben und dies regte uns zu viel Nachdenken und zu einigen Fragen an.
An der sich anschließenden lebhaften Diskussionsrunde beteiligten sich sowohl Schüler, als auch Lehrern.
Einige der Fragen bezogen sich erneut auf den Ukraine-Konflikt und die Gefahr für das Baltikum, welche Herr Grübel aufgrund des NATO-Beistands für diese Länder nicht als sehr groß einschätzte. In diesem Zusammenhang wurde von den Schülern auch in Frage gestellt, ob die baltischen Staaten wirklich mehr Interesse an der EU als an Russland haben. Herr Grübel schätzte die Attraktivität Russlands jedoch nicht sehr hoch ein und vermutet, dass die meisten wirtschaftlich mit Russland kooperierenden Länder dies eher aus Abhängigkeit vom russischen Öl tun.
Einer unserer Lehrer, Herr Letz, wollte nun näher auf die Rolle Russland eingehen und stellte die These auf, dass der Westen sich in Bezug auf Russland verschätzt habe und es früher hätte mit einbinden müssen. Jetzt stelle die Ukraine die "rote Linie" dar, weshalb die Annäherung an diese eine Provokation Russlands bedeute. Herr Grübel gesteht Russland jedoch nicht den Titel der Großmacht zu, da es wirtschaftlich sehr schwach sie und sucht den Fehler somit eher bei Russland.
Die vorletzte Frage eine Schülerin stellte die Aussage Grübels in Bezug auf kleinere Bündnisse in der EU in Frage, welche ermöglichen würden, dass manche Länder Infanterie stellen und andere die Spezialausrüstung oder die Fachkräfte (z.B. Sanitäter). Letzteres sei laut Grübel oft Aufgabe der reicheren Länder, wie Deutschland.
Die letzte Frage drehte sich nun um das Thema Terrorismus und die Gefahr, die für Deutschland in dieser Hinsicht bestehe. Herr Grübel wies auf die gute Arbeit der deutschen Polizei und der Geheimdienste hin, durch welche schon viele Anschläge hätten verhindert werden können. Schließlich schloss er mit der Aussage, dass dieses Thema  aber in das Aufgabenfeld des Innenministeriums und nicht in seines fiele.
Fast zwei Stunden dauerte die spannende und ertragreiche Informationsveranstaltung und der rege Gedankenaustausch. Wir danken Herrn Grübel dafür, dass er sich Zeit für uns genommen hat und sich unseren Fragen gestellt hat. Herr Grübel betonte, er sei gerne gekommen, insbesondere dieser Themenbereich sei ihm ein Anliegen. Es würde uns freuen, wenn eine solche Veranstaltung wiederholt würde!

Sarah T. (K2)

Letzte Änderung: 28.06.2015