Georgii-Gymnasium Esslingen am NeckarGeorgii-Gymnasium Esslingen am Neckar

Theodor Georgii

In Esslingen gibt es bekanntermaßen vier Gymnasien: Eins ist benannt nach einem schwäbischen Dichter, ein zweites erhielt seinen Namen nach dem ersten Bundespräsidenten, der Name des dritten rührt von einem im Zentrum Esslingens liegenden mittelalterlichen Stadttor her, und das vierte, das Georgii-Gymnasium, ist benannt nach ... Ja, nach wem oder nach was eigentlich?

Was oder wer ist "Georgii"?

Der Name unserer Schule geht auf den Turnvater und Gründer des Schwäbischen Turnerbundes Theodor Immanuel Heinrich Georgii zurück, der als Sohn eines Oberjustizprokurators am Esslinger Kreisgericht am 9. Januar 1826 in der ehemaligen Reichsstadt am mittleren Neckar geboren wurde. 
Für das Jahr 1831 findet man seinen Namen zwar in der Schülerliste des damaligen Pädagogiums, des Vorläufers unseres Gymnasiums, unter der Nummer 626, nach einiger Zeit aber wechselte er auf die Reformanstalt zu Stetten im Remstal. Georgii war schon zu seiner Schulzeit ein begeisterter Sportler, diese Begeisterung wurde wohl schon am Pädagogium, vor allem aber von den verschiedenen Lehrern in seiner neuen Schule geweckt. Auch wurde er schon in jungen Jahren zu einem Anhänger Friedrich Ludwig Jahns (des „Turnvaters Jahn“), der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die deutsche Turnbewegung maßgeblich begründete. 
Auch während seines Jurastudiums in Tübingen, an dessen Eberhard Karls Universität das Mitglied der Burschenschaften Germania und  Walhalla von 1843 bis 1847 immatrikuliert war, widmete sich Georgii weit mehr dem Sport als dem Studium. Als im Mai 1847 auch ein Pompierkorps, eine freiwillige Feuerwehr, zu Tübingen ins Leben gerufen werden sollte, trat der cand. jur. Georgii sogleich mit weiteren Kommilitonen begeistert bei. Sein vielfältiges Engagement war möglicherweise mit ein Grund dafür, dass er im November und Dezember 1847 die Staatsprüfung nur „mit mäßigem Erfolg“ bestand. Nach der Referendarzeit an den Amtsgerichten in Waiblingen, Besigheim und Leonberg legte er im April 1849 die zweite Dienstprüfung ab und ließ sich dann im selben Jahr als freier Rechtskonsulent (Rechtsanwalt) in Stuttgart nieder, ehe er sich im September 1851 auf Wunsch seines Vaters in gleicher Eigenschaft in Esslingen ansiedelte. 
Georgiis eigentliches Lebenswerk, nämlich der Aufbau der deutschen und schwäbischen Turnbewegung begann schon Mitte der vierziger Jahre, als im September 1845 beim ersten Schwäbischen (Kreis) Turnfest in Reutlingen der neunzehnjährige Tübinger Jurastudent die begeisternde Schlussrede hielt. In einem Bericht über diese Turnveranstaltung schrieb er unter anderem: „Die Turner haben ihre Aufgabe erkannt, sich selbst zu bilden, zu ganzen Menschen nach Seele und Leib. Die Bildung von Turngemeinden, worin der einzelne einem Ganzen sich unterordnen lernt, wobei auch der Jüngling die Idee von einem Gemeinwesen bekommt, wo er lernt, seine eigenen Angelegenheiten zu ordnen, mag tüchtige Bürger bilden." Und auch ein Jahr später, als in Heilbronn vom 1. bis 4. August das erste gesamtdeutsche Turnfest mit fünfunddreißig Vereinen und über eintausendeinhundert Turnern aus zweiunddreißig deutschen Städten stattfand, hielt wiederum Georgii eine mitreißende Ansprache. Diese Reden waren umso wichtiger in einer Zeit, in der eine zunehmende Ohnmacht die Menschen lähmte, die befürchteten, dass die deutsche Einheit  womöglich nur auf dem Schlachtfeld in der Auseinandersetzung der beiden Großmächten Österreich und Preußen zu erlangen sein würde. Georgii spann also weiterhin nicht nur Theorien, sondern ließ vielmehr den Gedanken eines vereinigten Deutschlandes durch Reden und vor allem Taten die Menschen spüren. 
Im Revolutionsjahr 1848 wurde Georgii zum Ersten Vorsitzenden des auf dem Turntag in Hanau am 3. April gegründeten Deutschen Turnerbundes gewählt, dies stellte einen der Höhepunkte in seinem Leben dar. Am 1. Mai 1848 wurde dann in Esslingen der Schwäbische Turnerbund auf Initiative Georgiis ins Leben gerufen. Auch die ehemalige Reichsstadt Esslingen mit ihrem festen Glauben an ein einheitliches Deutschland hatte Einfluss auf sein Denken. Georgii und die ersten gesamtdeutschen Turnorganisationen waren die Pioniere, die den Einheitsgedanken weitertrugen. Deutsche Turner trafen sich und diskutierten auch über ihre Meinung zu einem vereinigten Deutschen Reich. Georgii war also nicht nur ein begeisterter Turnerer, sondern auch ein Mann, der die deutsche Vereinigung mit auf den Weg brachte. 
Nachdem er wieder in Esslingen wohnte, schickte der elffache Vater (von drei Söhnen und acht Töchtern), seine drei Jungen Otto, Max und Rudolf für eine mehr oder weniger lange Zeitspanne auf das Pädagogium, das im Fachwerkgebäude gegenüber der Stadtpfarrkirche St. Dionys untergebracht war. Dieses Gebäude war der Vorgänger unseres heutigen Schulhauses am Lohwasen.
Auch in Esslingen betrieb Georgii, kaum dass er wieder in seine  Heimatstadt zurückgekehrt war, die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, die mehrheitlich aus der im September 1845 gegründeten Turngemeinde bestand und deren Mitglieder eine Uniform trugen, die sich aus dem „grauen Turnergewand“ (Drillich), einem blankem Messinghelm und einem Gurt zusammensetzte. Der erste Hauptmann der freiwilligen Steigerkompagnie Esslingen war ihr maßgeblicher Mitbegründer, der erst sechsundzwanzigjährige Georgii.
Am 25. September 1892 starb Theodor Georgii, dessen Ziel es gewesen war, eine „Durchdringung des Lebens mit froher Sportlichkeit" zu erreichen, im Alter von sechsundsechzig Jahren in Esenhausen (heute ein Ortsteil von Wilhelmsdorf bei Ravensburg) im Pfarrhaus seines jüngsten Sohnes Rudolf. Seine besondere Beziehung zu Esslingen ist durch eine Statue in der Maille und nicht zuletzt durch die Benennung unserer Schule gewürdigt. 

Quellen (unter anderem):

  • Stadtarchiv Esslingen: Otto Borst: Leben und Werk von Theodor Georgii
  • Esslinger Zeitung vom 08.01.1966: Zum 140. Geburtstag von Turnvater Theodor Georgii
  • Egid Fleck; Turner standen an den Wiegen von Freiwilligen Feuerwehren; in: Hans G. Kernmayr; Der goldene Helm, 1956, Seite 21ff

G. Wenzelburger, ergänzt und überarbeitet von A. Hottenträger

Letzte Änderung: 16.04.2013 

Letzte Änderung: 12.03.2017
Theodor Georgiis Geburtshaus
Theodor Georgiis Geburtshaus
Theodor Georgiis Geburtshaus
Statue in der Maille