Georgii-Gymnasium Esslingen am NeckarGeorgii-Gymnasium Esslingen am Neckar

Bea von Malchus

Herzlich Willkommen
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Bea von Malchus
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Bea von Malchus
Bea von Malchus
Bea von Malchus
Ein Blick in das Publikum
Ein Blick in das Publikum

Bea von Malchus mit den Nibelungen im Georgii-Gymnasium

- eine Sternstunde dramatischer Erzählkunst -

Mit den  „Nibelungen“  hat die Autorin, Regisseurin, Sprechkünstlerin  und Schauspielerin Bea von Malchus einen bedeutungsschwanger schweren Stoff von erstrangiger  kultureller Bedeutung in das Zentrum ihres abendfüllenden Programms gestellt. Sie folgte damit einer Einladung des Vereins der Freunde und Expennäler des Georgii-Gymnasiums sowie der neu gegründeten Elternarbeitsgemeinschaft „Veranstaltungen am Georgii-Gymnasium“.  Ein wahres Mordsvergnügen ist es, womit da Tante Hilde im Abteil des Intercity „Walhalla“  ihrem gameboysüchtigen Neffen Sigi zunächst  die lange Zugfahrt   kurzweiliger machen möchte. Und siehe da: es braucht nicht lange, bis Sigi, verlockt von Tante Hildes faszinierender Kraft des Erzählens, den Gameboy vergisst und mit seiner Tante ins Mittelalter und dort von Worms nach Xanthen und von Island nach Walhalla reist, um in die  Horrostory und den Actionthriller des Nibelungenlieds mit voller Hingabe einzutauchen.  Und mit den Zugreisenden begibt sich ein ganzes Publikum in der Aula des Georgii-Gymnasiums auf Bea von Malchus’  erzählerischen Walkürenritt, in dessen Verlauf das gesamte Tableau der großen „Märe“  entfaltet wird. Die burgundischen Könige Gunther, Giselher und Gernot versammeln sich zu einer Teamsitzung in Worms, die sich rasch als ein Zusammentreffen unfähiger und vollkommen überforderter Chefs herausstellt: Gunther kann ohne Schnaps nicht sein, der Dandy Giselher  interessiert sich ausschließlich  für schöne Männer, Gernot ist ein farbloser Kopfnicker.   Kein Wunder, dass der erfahrene und kampferprobte Hagen, der viel erlebt und viel gesehen hat, der einzig kompetente Politiker bei Hofe zu sein scheint. Ihm verleiht Bea von Malchus das imaginäre und finstere Äußere eines Korsaren. Droben im Turm schmachtet die kreuzstichstickende Krimhild; allein der Kater Wagner ist ihre Vertrauensperson, bis eines Tages Sigfried von Xanthen in Worms erscheint und als ein cooler, seiner Souveränität bewusster Terminator um Krimhild freit.   Spätestens jetzt kann  der Zuhörer und Zuschauer sich der in Szene gesetzten Erzählung um Macht, Besitz und Erotik, um Versagen, Niederlage und Kränkung nicht mehr entziehen. Wunderbar, wie Bea von Malchus das Inventar vom  Mythos des drachenblutgeschützten Sigfried in der Rückblende eines zweiten Erzählstranges  einspielt: über dem legendären Badeort handeln zwei Laubblätter miteinander aus, wer von beiden als Sigfriedsmal der Verwundbarkeit in die Geschichte eingehen wird, bis das eine Blatt  schließlich vom anderen Abschied nimmt, über den eigenen Schatten springt, sich losreißt, schwebt  und auf Sigfrieds Schulter landend der berühmte Schmetterling wird, der mit dem Schlag eines Flügels  einen chaotischen Wirbelsturm verursachen kann.  Der Nibelungenhort als Objekt der Begierde von Anlageberatern, das Schwert Balmung und die Tarnkappe bekommen  im Folgenden die bekannte dramatische Bedeutung. Nichts  wird dem Zuschauer  vorenthalten: Krimhilds Falkentraum, König Gunthers Bedingungen, seine mit Lug und Trug erschlichene Heirat mit der Walküre Brunhilde, die katastrophale Hochzeitsnacht, die anschließenden Kabalen und Wirrungen, die schließlich zu Sigfrids Tod und Krimhilds Rache führen. Bea von Malchus ruft alle diese Bilder, Gestalten und Gegenstände mit der suggestiven Kraft des Erzählens und der Stimme, mit einer in Sekundenbruchteilen zwischen den Figuren changierenden Mimik, mit einer eindringlichen Körpersprache und Gestik und mit einer souverän eingesetzten Komik in den Raum.  Allein ein goldener Reisekoffer dient als Requisit.  Jede Gestalt der Märe ersteht als plastisches Individuum, als Identifikationsgestalt in der Phantasie des Zuhörers. Bea von Malchus’ gestisch-narrativer  Stil ist eine Hommage an die Kunst  des dramatischen Erzählens.  Der fesselnde Szenenwechsel, die  doppelbödige Führung der Erzählstränge und  die auf hohem Niveau  und kaum effekthascherisch eingesetzte Komik zeigen einmal mehr, dass die Kunst des Inszenierens zuallererst der feinfühligen  Reduktion bedarf, um nicht als Eintagsfliege rasch und zu Recht vergessen zu werden.  
Der Saal des  Georgii-Gymnasiums versank jedenfalls im  betörenden und unvergesslichen  Erzählstrom der Bea von Malchus um Walküren, Waberlohe, Walhalla und Wagner.   Und bestimmt  wäre das Publikum Tante Hilde alias Bea von Malchus  am Schluss gefolgt, die  in ihrer enthusiastischen Versunkenheit  selbst zur Brunhilde wird und sich eben  zu einem erneuten Walkürenritt aufzumachen scheint, als plötzlich der Intercity sein Ziel erreicht - und das Licht erlischt.   Am 25 Juni 2006  gastiert Bea von Malchus an der Esslinger WLB.