Georgii-Gymnasium Esslingen am NeckarGeorgii-Gymnasium Esslingen am Neckar

Thomas von Steinaecker

Während der Lesung
Während der Lesung

„Dem Buch eine Chance geben“

Thomas von Steinaecker las am 8.11.2007 vor Schülern des GG aus seinem neuen Roman „Wallner beginnt zu fliegen“

Zum Interview mit Thomas von Steinaecker

Schülerstimmen

"Der Rhythmus des Stiftes"

Wenn in Esslingen die (nunmehr 13.) LesART stattfindet – ein Literaturfest veranstaltet von der Stadtbücherei - ist es mittlerweile fast schon Brauch geworden, dass das Georgii-Gymnasium einen der Autoren zu sich an die Schule lädt, um den Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 12 die Möglichkeit zu geben, ihn selbst und sein neu erschienenes Werk in der Aula kennen zu lernen. So lauschten die Schüler im letzten Jahr gespannt den Worten von Ilija Trojanov, während sie dieses Jahr aus dem Debutroman „Wallner beginnt zu fliegen“ des jungen Autoren Thomas von Steinaecker einige Textpassagen zu hören bekamen.

Nach der herzlichen Begrüßung durch den Schulleiter Joachim Scheffzek richtete sich die Aufmerksamkeit der Schüler voll auf Herrn von Steinaecker. Dieser gestand ein, nervös und aufgeregt zu sein, was vor allem am Schulgebäude und der Pausenklingel liege, die ihn an seine eigene, wenig erfreuliche Schulzeit erinnere. Nach diesem Eingeständnis, das ihn doch gleich viel sympathischer erschienen ließ, stellte er kurz sein Buch vor und erklärte den Aufbau.
Sein Roman gliedert sich in drei Teile und behandelt die Geschichte der Familie Wallner über vier Generationen hinweg: der erste Teil handelt von Stefan Wallner, dem Leiter einer Landmaschinenfabrik in Cham/Oberpfalz. Der zweite Teil von dessen Sohn, Costin Wallner, der nach einer Casting-Show eine kurze Karriere als Musiker startet und danach typische Stationen in der Karriere eines „B-Promis“ durchläuft. Wendy Wallner schließlich ist Costins uneheliche Tochter, von der er lange Zeit nichts weiß. Sie will – im dritten Teil des Romans - die Geschichte der Wallners rekonstruieren. Ob dies gelingt, ist fraglich, schließlich ist das letzte Wort des Romans „Löschen“…
Thomas von Steinaecker stellte den zweiten Teil seines Romans über Costin Wallner in den Mittelpunkt der Lesung. Aus diesem Teil trug er verschiedene Kapitel vor, in denen Costin Wallner nach seinem Jugend-„Erfolg“ als Popstar in die typische Welt eines „B-Promis“ abtaucht. Durch verschiedene Aktionen versucht er immer wieder, seine Karriere in Schwung zu bringen. Er betätigt sich als Synchronsprecher, nimmt bei der Realityshow „Almtrieb“ teil, hat kurze Auftritte in Talkshows und betreibt schließlich halbwegs erfolgreich ein Plattenlabel.
Obwohl diese sehr treffend und spöttisch geschriebenen Stellen die Schüler mehrmals auflachen ließen und Costin sich in diesem Promizirkus lächerlich macht, merkt man dennoch, dass er „eine tragische Figur ist, die auch unter Depressionen leidet“ (von Steinaecker). Im Prinzip sei Costin mit der Welt der Unterhaltungsmedien in Kontakt gekommen und werde danach „einfach geil nach Erfolg und kommt da nicht mehr wirklich heraus.“ Besonders durch die Vortragsweise des Autors wurde es zu einer sehr unterhaltsamen Lesung.
Da die heutige Medienkultur im zweiten Teil des Romans im Mittelpunkt steht, wurde diese auch das Hauptthema in der anschließenden angeregten Diskussion. Obwohl das Buch den Eindruck hinterlassen kann, dass es eine Kritik an den geschilderten Bereichen der modernen Massen- und Unterhaltungsmedien ist, würde  der Autor „nicht unbedingt sagen, dass es nur Kritik ist, es ist mehr eine Art Analyse.“ Er wolle nicht alles verurteilen, was in diesem Bereich passiert. Ob Popstar- und DSDS- Sendungen wirklich so wahnsinnig negativ seien, das wisse er gar nicht. Ebenso wenig wollte er sich über die Figuren der Medienwelt lustig machen, auch wenn vieles dort an Realsatire erinnere. Über die Rolle der Medien entstand denn auch eine sehr lebhafte Diskussion mit den anwesenden Schülerinnen und Schülern.
Natürlich wurden auch noch andere Themen angesprochen: von der eigenen Schulzeit bis hin zum Schreibstil des Autors. Leider wurde der Diskussion viel zu bald durch die Zeit ein Ende gesetzt, dennoch war es ein sehr ergiebiges Gespräch. Mit lang anhaltendem Applaus wurde der Autor schließlich verabschiedet. Die Veranstaltung wurde von allen Beteiligten durchweg positiv aufgenommen und war ein großer Erfolg sowohl für die Schule als auch für den Autor. Welche Leser wünscht sich eigentlich ein Autor? Thomas von Steinaecker äußerte gegen Ende der Diskussion seine Vorstellungen darüber, wie man einem Buch begegnen sollte: „Nicht unbedingt nach zwei Seiten schon sagen: Ist nicht mein Ding, sondern auch dem Buch eine Chance geben.“