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Franz J. Müller

Am Mittwoch den 28. Januar 2009 besuchte ein Zeitzeuge das Georgii-Gymnasium. Franz J. Müller, der zu den wenigen Überlebenden der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gehörte, kam mit seiner Frau Britta Müller-Baltschun in die Aula der Schule. Er berichtete der Klassenstufe 10 aus seinem Leben während des Nationalsozialismus. 

Franz J. Müller wurde am 8. September 1924 in Ulm geboren und ging dort auf ein Humanistisches Gymnasium. Da es während seiner Jugend oftmals zu Konflikten mit der HJ gekommen war, stieg er 1941 illegal aus der HJ aus. Mit ein paar Freunden aus seiner Klasse bekam er Ende Juni 1942 Kontakt zur Organisation „Weiße Rose“ und nur kurze Zeit später engagierten sie sich selbst durch Beschaffung der Briefumschlägen und Briefmarken bei der Widerstandsgruppe. Da einer seiner Freunde ein Pfarrer als Vater hatte, beschlossen sie mit dessen Hilfe sich in der Kirche zu treffen und heimlich die Flugblätter in die Briefumschläge zu packen. Trotz der Gefahren, dass sie jemand entdecken könne, verpackten sie alle Flugblätter und schickten sie mit der Hilfe der Schwester eines Freundes und über Sophie Scholl und die Mitglieder der Widerstandsgruppe in München daraufhin von verschiedenen Orten weg.
Anfang 1943 musste Franz J. Müller zur Wehrmacht in Frankreich. Dort war er dann aber nicht lange, weil man herausfand, dass er Kontakt mit der Weißen Rose gehabt hatte. Er wurde daraufhin verhaftet. Franz J. Müller wurde nach München gebracht und musste dort vor Gericht.
Er wurde jedoch nur für fünf Jahre Gefängnis verurteilt, unter anderem wohl deshalb, weil der Volkgerichtshof meinte, dass jemand, der so aussehe wie Müller - er hatte blaue Augen und war blond - nicht aus ganzem Herzen ein Gegner des Nationalsozialismus sein könne. Man erkennt daran, wie tief die Rassenideologie der Nazis saß, und durch welche Brille alles und jedes betrachtet wurde.
Nachdem er in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert war, wurde er am Ende des 2. Weltkrieges von der US Army aus der Haft befreit. Ein Jahr nach der Befreiung studierte er bis 1952 in Tübingen, Basel und Freiburg Jura, Philosophie und Geschichte.            
Franz J. Müller ist Mitbegründer der White Rose Foundation im Capitol Washington D.C. und der Initiator und Mitgründer der Weißen Rose Stiftung e.V. in München. Im Jahr 1995 bekam er den Bayrischen Verdienstorden und im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und noch andere Ehrungen. 
Heute engagiert er sich als Zeitzeuge.

Die Geschichte von Franz J. Müller macht bewusst, dass Widerstand – auch von Jugendlichen – damals in einer Diktatur möglich war.  Es war also wohl eher eine Frage, ob man auf die Stimme des Gewissens hören wollte, genügend Mut aufbrachte und etwas tat, oder ob man zu viel Angst hatte, und hoffte, dass alles irgendwie enden würde und alles hinnahm – auch das Unrecht. 
Wir danken dem Ehepaar Müller für ihren Besuch und für ein Stück „Anschauungsunterricht!

Melanie L. (10a)

Letzte Änderung: 06.09.2018