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Otto Schönhaar

Im Rahmen des „Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, der am Donnerstag, dem 27. Januar 2011 im alten Rathaus in Esslingen abgehalten wurde, lud das Georgii-Gymnasium am 2. Februar den Zeitzeugen Otto Schönhaar ein, um mit den Schülern der zehnten Klassen eine Diskussion über das Thema „Politischer Widerstand im Nationalsozialismus“ zu führen.
Der ehemalige Stadtrat von Esslingen, Otto Schönhaar, berichtete von seinem Onkel Eugen, dessen Frau Odette und deren Sohn Carlo Schönhaar, die während des Nationalsozialismus in Deutschland aktiv Widerstand leisteten. Viel Kontakt und eigene Erinnerungen hatte Otto Schönhaar mit den „drei tapferen Kämpfern“ leider nicht – es gibt nur ein Bild, auf dem Eugen ihn als Dreijährigen auf dem Arm hält; die Daten und Geschichten von Eugen kennt er deshalb teilweise nur aus zweiter Hand.
Nachdem Eugen Schönhaar, 1898 in Esslingen geboren, gegen seinen Willen in die Armee eingezogen worden war, trat er im Jahr 1919 in die KPD ein und arbeitete dort als Redakteur. Zweimal war er dazu gezwungen zu fliehen, da ihn das NS-Regime wegen seiner politischen Gesinnung verfolgte. Man verhaftete ihn schließlich doch und ermordete ihn am 1. Februar 1934.
Seine Frau Odette Schönhaar floh direkt nach der Verhaftung aus Deutschland und brachte sich und ihren Sohn Carlo in Frankreich in Sicherheit. Doch auch sie wurde verhaftet und sechs Monate in der Gestapohaftanstalt in Berlin festgehalten.         
In Frankreich schloss sich Carlo der Widerstandsgruppe „Fabien" in Paris an, wurde ebenfalls verhaftet und 1942 zum Tode verurteilt.
Als einzige der Familie überlebte Odette den Nationalsozialismus; sie verbrachte ihr Leben bis zu ihrer Befreiung 1945 im KZ Ravensbrück.
Otto Schönhaar erzählte, dass er selbst nicht viel mit dem Widerstand zu tun hatte. Denn allein seine Verwandtschaft brachte ihm während der Zeit des Nationalsozialismus viele Nachteile: Als Beispiel berichtete er, dass er von einem Internat ausgeschlossen wurde, als man seine Verwandtschaft zu Eugen herausfand.
Auch heute noch begegnen manche dem in der SPD tätigen Otto Schönhaar zweifelnd, da sie den Namen Schönhaar mit Kommunismus verbinden. Doch Otto Schönhaar sieht das gelassen. Sein zehn Jahre jüngerer Bruder hingegen blieb vom Nationalsozialismus verschont. Das seien zwei ganz andere Welten, meinte er auf die Frage eines Schülers zum Schluss.
Auf jeden Fall war das Zeitzeugengespräch sehr interessant und aufschlussreich.

Lea M. Münzenmayer (10a)

Letzte Änderung: 08.06.2013